Adventssymbole und -bräuche


1. Advent

 

Morgen ist der erste Advent. Der Advent beginnt immer mit dem vierten Sonntag vor Weihnachten. Der erste Advent liegt also immer zwischen dem 27. November und 3. Dezember. Das war nicht immer und überall so. In Spanien zum Beispiel dauerte die Vorbereitung auf Weihnachten nur drei Wochen. In anderen Regionen umfasste der Advent sechs Sonntage. Erst seit ungefähr 450 Jahren gibt es die Festlegung, dass der Advent vier Wochen dauert.

Das Wort Advent kommt vom lateinischen Wort adventus. Und das bedeutet Ankunft. Christen bereiten sich in dieser Zeit auf das Geburtsfest von Gottes Sohn Jesus Christus vor, das am 25. Dezember gefeiert wird. Außerdem erinnern sie sich auch daran, dass er eines Tages wiederkommen wird. Früher war die Adventszeit auch eine Fastenzeit. So durfte man zum Beispiel in dieser Zeit kein Fleisch essen. Der Grund dafür war, dass man sich mit Fasten und Beten auf das Geburtsfest Jesu vorbereiten wollte. Heute ist das völlig anders. Die Zeit des Advents wird genutzt, um auf das Weihnachtsfest einzustimmen. Etwa durch Weihnachtsmärkte, auf denen es köstlich duftet oder durch weihnachtlich geschmückte Straßen und Häuser. Die Zeit des Wartens wird mit vielen Leckereien versüßt.   Die Kirchen allerdings rufen weiterhin ihre Gläubigen auf, sich durch Stille und gute Taten auf Weihnachten vorzubereiten.

 

 

1. Dezember

Adventskalender

 

24 Türchen hat ein Adventskalender. Vom 1. bis zum 24. Dezember zählt er die Tage bis Heiligabend. Das heißt, er zählt die Tage bis Weihnachten nicht vom ersten Advent an, sondern er nimmt den Kalendermonat als Grundlage.

Am bekanntesten sind die einfachen Adventskalender. Ein großes Bild, in das 24 nummerierte Türchen eingestanzt sind. Hinter jedem Türchen befindet sich ein kleines Bild. Beliebter sind die Kalender, hinter deren Türchen jeweils ein Schokoladenstück versteckt ist.

Adventskalender gibt es seit ungefähr 150 Jahren. Den ersten gedruckten gab es vermutlich vor genau 100 Jahren. Es gab aber auch andere Formen. So war es zum Beispiel eine Zeit lang in christlichen Familien üblich, 24 Bilder – jeden Tag eins – an die Wand zu hängen. Oder umgekehrt: an die Wand oder die Tür wurden 24 Kreidestriche gemalt, und jeden Tag durften die Kinder einen davon wegwischen.

In Vergessenheit geraten ist der Brauch, vom 1. Advent an die Weihnachtskrippe, die am Heiligen Abend unter dem Weihnachtsbaum steht, mit Stroh zu füllen. Für jede gute Tat durften die Kinder einen Strohhalm in die Krippe legen, damit  das Christkind schön weich liegt.

Heute basteln manche Leute auch selbst einen Adventskalender. Den füllen sie dann entweder mit Süßigkeiten, Verpflichtungen (z.B. einmal den Geschirrspüler ausräumen) oder Wünschen (einmal mit den Eltern viel Zeit verbringen).

 

 

2. Dezember

Engel

 

Engel findet man heutzutage fast überall. Als Schlüsselanhänger, Holz- oder Keramikfiguren oder auf Bildern und Karten. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit sind sie als Schmuck oft zu sehen. Eine Befragung hat ergeben, dass sehr viele Menschen an Engel glauben, etwa an ihren persönlichen Schutzengel.  Manchmal sagt man, wenn jemand z.B. in einer gefährlichen Situation war und trotzdem ist ihm nichts oder nur ganz wenig passiert: „Da hat er aber viele Schutzengel gehabt.“ Das ist so eine Redewendung, aber woher kommen Engel eigentlich?

Engel sind uralt. Die ersten bildlichen Darstellungen gab es bereits vor ungefähr 4250 Jahren (= 2250 v. Chr.). Sie sehen eigentlich aus wie Menschen und haben Flügel. Und sie sollen zwischen den Göttern (damals glaubte man, dass es ganz viele Götter gibt) und den Menschen vermitteln. Das Wort „Engel“ bedeutet übersetzt „Bote Gottes“. Das Judentum und das Christentum glauben, dass es nur einen einzigen Gott gibt, aber auch dort gibt es die Engel. Und auch sie sind Boten Gottes. Sie wohnen in Gottes Reich und überbringen wichtige Botschaften an die Menschen. Davon erzählt die Bibel an mehreren Stellen. Drei Engel werden sogar mit Namen genannt: Gabriel, Michael und Rafael. Alle drei Namen enden auf –el. Das ist hebräisch und bedeutet: Gott. Engel haben also immer etwas mit Gott zu tun. Was sie genau mit Weihnachten zu tun haben, könnt Ihr morgen lesen.

 

 

3. Dezember

Was haben Engel mit Weihnachten zu tun

 

In der Weihnachtsgeschichte, so wie sie in der Bibel steht, kommen an mehreren Stellen Engel vor.

In Nazareth (eine Stadt in Israel) besuchte der Engel Gabriel eine junge Frau. Sie hieß Maria und war mit einem Mann, der Josef hieß, verlobt. Die Botschaft des Engels war, dass Maria ein Kind bekommen sollte. Dieses Kind ist Gottes Sohn und sollte Jesus heißen. Maria hatte erst Angst; aber dann war sie damit einverstanden, dass sie die Mutter Gottes werden sollte. Als Josef merkte, dass seine Verlobte Maria schwanger war, wollte er sich heimlich von ihr trennen. Da erschien ihm im Traum ein Engel und sagte ihm, er solle Maria jetzt nicht allein lassen, denn das Kind ist ja Gottes Sohn. Also blieb Josef mit Maria zusammen.

Als Jesus schließlich geboren wurde, wird wieder von Engeln erzählt. Dieses Mal waren es ganz viele. Sie erzählten nämlich die frohe Botschaft von der Geburt Jesu den Hirten, die in der Nähe der Geburtsstätte mit ihren Schafen auf den Feldern waren.

Als Jesus noch ziemlich klein war, befand sich die Familie in großer Gefahr. Deshalb erschien wieder ein Engel dem Josef im Traum und sagte ihm, er solle schnell mit seiner Familie fliehen. So zogen sie nach Ägypten und blieben dort, bis die Gefahr vorüber war.

 

 

4. Dezember

Barbarazweig

 

Wer heute einen frisch geschnittenen Kirschzweig in die Vase stellt, kann an Weihnachten erleben, dass dieser Kirschzweig blüht. Es kann auch ein Zweig von einem anderen Obstbaum oder ein Forsythienzweig sein – Hauptsache, die Vase steht in einem warmen Zimmer. Weil heute das Fest der heiligen Barbara ist, nennt man diesen Zweig auch Barbarazweig. Aber das hat natürlich eine Geschichte. Barbara lebte vor ungefähr 1600 Jahren in Nikomedien (das ist das heutige Izmid in der Türkei). Sie war ein junges und sehr schönes Mädchen. Weil sie Christin war, musste sie sterben. Deshalb wird sie als Heilige verehrt (als Heilige werden in der Kirche Menschen bezeichnet, die entweder für ihren christlichen Glauben getötet wurden oder die ihn ganz vorbildlich verwirklichten). Zu den Heiligen entstanden oft ganz viele Legenden (das sind Geschichten, die sich nicht genau so zugetragen haben, aber versuchen, den Heiligen besser zu beschreiben). So erzählt eine Legende, dass Barbara auf dem Weg ins Gefängnis an einem Zweig hängen blieb. An dem Tag, als sie getötet wurde, soll er geblüht haben. Eine andere Legende besagt, dass sich ein Felsen geöffnet habe, in dem sie erst einmal Schutz vor ihren Verfolgern fand. Deshalb ist Barbara unter anderem auch die Schutzpatronin der Bergleute und Tunnelbauer. So findet man z.B. im Rennsteigtunnel eine Barbarafigur.

 

 

5. Dezember

Spekulatius

 

Zu den vielen Leckereien, die besonders in der Advents- und Weihnachtszeit gern genascht werden, gehört der Spekulatius. Das ist ein Plätzchen aus würzigem Mürbeteig. Die Würze bekommt er von Mandeln, Zimt, Nelken, Kardamom und Muskat.  Vor dem Backen wird der Teig in eine spezielle Form (man nennt diese Backform auch Model) aus Holz oder Metall gefüllt, so dass auf dem gebackenen Spekulatius ein Relief zu sehen ist. Heute sind auf diesen Keksen verschiedene Motive, z.B. Windmühlen oder Schiffe. Früher schnitzten die Leute zum Spekulatiusbacken eine Bischofsfigur in ein Holzbrett. In diese Figur wurde dann der Teig hineingedrückt. Von daher hat dieses Gebäck wahrscheinlich auch seinen Namen. Bischof heißt nämlich auf lateinisch „speculator“ und bedeutet so viel wie „Vorsteher“, „Aufseher“ oder „Beobachter“.

Anfangs wurden Spekulatius einem ganz bestimmten Bischof zu Ehren gebacken. Neben der Bischofsfigur gab es noch andere Formen. Wenn man dann die Spekulatius sortierte, konnte man anhand der Abbildungen die Geschichte dieses Bischofs erzählen. Sein Festtag liegt immer im Advent, und das morgige Datum verrät, um welchen Bischof es sich handelt.

 

 

6. Dezember 

Sankt Nikolaus

 

Der bei Kindern und Erwachsenen bekannteste Bischof ist Nikolaus von Myra. Über ihn gibt es nicht viele sichere Fakten. Nur dass er vor ungefähr 1600 Jahren, das genaue Datum ist unbekannt, als Bischof in Myra in der heutigen Türkei lebte. Ungefähr 200 Jahre später lebte in Sion in der Schweiz ein Abt, das ist der Vorsteher eines Klosters, der auch Nikolaus hieß. Über beide Bischöfe gab es eine Lebensbeschreibung, die mit Legenden geschmückt war. Irgendwann kam es dazu, dass diese beiden Lebensbeschreibungen vermischt wurden – und so entstand das Bild eines großartigen heiligen Bischofs namens Nikolaus von Myra. Die zahlreichen Legenden erzählen von Wundern, die er gewirkt haben soll und wie er vor allem Armen und Kindern half.  Nach ihm wurden sehr viele Kirchen benannt. Auch von Thüringer Kirchen, zum Beispiel in Eisenach oder Kaltennordheim ist er der Patron. An seinem Festtag, dem 6. Dezember, gibt es Süßigkeiten und kleine Überraschungen, die über Nacht zu den Kindern gebracht wurden. Früher gab es an diesem Tag die richtigen Weihnachtsgeschenke. In einigen Ländern ist das heute immer noch so. Das Wichtigste,  was der heilige Nikolaus sagen will, ist: So wie Gott möchte, dass es den Menschen gut geht, sollen auch wir untereinander dafür sorgen, dass niemand leiden muss.

 

 

8. Dezember 

Adventskranz

 

Gestern wurde die zweite Adventskerze angezündet. Vier Kerzen sind es insgesamt, die den Adventskranz schmücken. Als der Adventskranz von dem evangelischen Pfarrer Johann Hinrich Wichern erfunden wurde, hatte er noch viel mehr Kerzen, nämlich 24. Doch der Reihe nach: Pfarrer Wichern gründete 1833, also vor 175 Jahren, in Hamburg ein Haus für obdachlose Kinder und Jugendliche. Um mit ihnen die Adventszeit zu feiern, entstand um 1850 der Adventskranz mit  kleinen Kerzen für die Wochentage und vier großen für die Sonntage. Jeden Tag wurde eine Kerze mehr angezündet bis es dann an Heilig Abend ganz hell war. Die Idee vom Adventskranz verbreitete sich schnell, so dass es ihn bald in vielen Familien gab. Allerdings brauchte man für 24 Kerzen einen sehr großen Kranz. Deshalb war es praktischer, auf einem kleinen Kranz nur noch für jeden Adventssonntag eine Kerze anzuzünden.

Der Kranz steht für Zeit und Ewigkeit, denn er ist rund und hat keinen Anfang und kein Ende.

Die Tannenzweige sind immer grün, auch im Winter. Deshalb sind sie ein Zeichen für die Hoffnung und das Leben.

Die brennenden Kerzen erhellen die Umgebung. Sie erinnern an Jesus Christus, der an Weihnachten geboren ist. Christen glauben, dass er das „Licht der Welt“ ist.

 

 

9. Dezember

Lebkuchen und Pfefferkuchen

 

Lebkuchen gab es früher nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit. Man aß sie z.B. auch zu Ostern oder anderen Zeiten. Bei den alten Ägyptern hat man Lebkuchen den Toten mit ins Grab gegeben. Das zeigt, dass es schon sehr lange Lebkuchen gibt. Aber wieso heißen die eigentlich so? Sind sie zum Leben notwendig oder ist da Pfeffer drin? Ursprünglich, also vor vielen tausend Jahren, war der Lebkuchen bei den Hirtenvölkern ein einfaches Fladenbrot. Fladen hieß „libum“, und so wurde der Lebkuchen daraus. Zum Glück wurde er dann immer mehr verfeinert, zum Beispiel mit Honig. Mönche brachten dieses honigsüße Brot auch in unser Land und meinten, der Name Lebkuchen komme von „leb“. Das bedeutet Heilmittel. In den Klöstern wurde er sehr viel gebacken. Weil der Lebkuchen sehr lange haltbar ist, konnte er in schlechten Zeiten von den Mönchen verteilt werden. In manchen Regionen werden Lebkuchen auch Honigkuchen, Gewürzkuchen oder Pfefferkuchen genannt. Tatsächlich sind in einem Lebkuchen viele wohltuende Gewürze, etwa Anis, Ingwer, Kardamom, Koriander, Muskat, Nelken und Zimt. Diese exotischen Gewürze bezeichnete man im Mittelalter allgemein als Pfeffer. So kam der Pfefferkuchen zu seinem Namen. Unter diesem Namen wurde er das erste Mal vor rund 700 Jahren, genau im Jahr 1296,  in Ulm erwähnt.

 

 

10. Dezember

Lieder im Advent

 

Zur Adventszeit gehören nicht nur Kerzen und Lebkuchen, sondern auch Lieder. Auf dem Weihnachtsmarkt zum Beispiel kann man viele Lieder hören, die von Weihnachten handeln. Man unterscheidet zwischen Advents- und Weihnachtsliedern. Ein typisches Weihnachtslied ist zum Beispiel  „Oh du fröhliche“. Dieses Lied bringt die Freude zum Ausdruck, dass Gottes Sohn geboren ist. Das wohl bekannteste Weihnachtslied ist wahrscheinlich das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Es wurde im Jahr 1818 geschrieben und später  in mindestens 230 Sprachen übersetzt. In den Kirchen wird darauf geachtet, dass in der Adventszeit keine Weihnachtslieder gesungen werden. Sondern wirklich erst an Weihnachten, also alles zu seiner Zeit. Dagegen erklingen viele schöne Adventslieder. Diese Lieder, das älteste ist ungefähr zweitausend Jahre alt, besingen die Sehnsucht der Menschen nach dem Retter der Welt, Gottes Sohn. Oft ist in den Liedern auch vom Licht die Rede, das in der Dunkelheit leuchtet und alles heller macht oder von der Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.

 

 

11. Dezember

Christkind und Weihnachtsmann

 

Dass es die Weihnachtsgeschenke erst zu Weihnachten gibt, geht auf Martin Luther zurück. Das ist jetzt  ungefähr 470 Jahre her. Davor wurden die Kinder am Nikolaustag, also am 6. Dezember beschenkt. Martin Luther wollte deutlich machen, dass Gott viel wichtiger und bedeutender ist als die Heiligen, wie etwa der hl. Nikolaus. Gott hat den Menschen zu Weihnachten seinen Sohn geschenkt. Deshalb wurde in der evangelischen Kirche das Christkind als Geschenkebringer eingeführt. Für die katholischen Kinder gab es weiterhin die Geschenke am Nikolaustag, und zwar bis vor ungefähr 100 Jahren. Die Christkindfigur hatte sich aber inzwischen verändert. Es ist als Gabenbringer nicht das kleine Jesuskind in der Krippe, sondern sieht aus wie ein Engel mit weißem Gewand und lockigen schönen Haaren. Es bringt ebenfalls wie der Nikolaus heimlich die Geschenke. Aus ihm wurde im Laufe der Zeit der Weihnachtsmann, der einen roten Mantel mit Zipfelmütze trägt und einen weißen Bart. In katholischen Gebieten gibt es nach wie vor das Christkind. Besonders in Süddeutschland, wo zum Beispiel der Weihnachtsmarkt Christkindlmarkt heißt. Im übrigen Deutschland hat sich der Weihnachtsmann durchgesetzt. Sie kommen niemals gemeinsam, aber sie tun das Gleiche: nämlich Geschenke bringen.

 

 

12. Dezember

Stern von Bethlehem

 

Sterne sind ein schöner Advents- und Weihnachtsschmuck. Es gibt sie aus Stroh, Papier oder anderen Materialien. Manche leuchten, manche nicht. Doch was hat der Stern mit Weihnachten zu tun? In der biblischen Weihnachtsgeschichte ist von gelehrten Männern aus dem Orient die Rede. Diese hatten sich auf den Weg nach Bethlehem, dem Geburtsort Jesu gemacht. Ihnen war nämlich am Himmel ein Stern aufgefallen, der bedeutete, dass im Westen ein König geboren wurde. Dieser Stern führte sie dann nach Bethlehem. So steht es in der Weihnachtsgeschichte – aber ist so etwas möglich? Wissenschaftler, die sich mit der Sternkunde befassen – man nennt sie auch Astronomen – haben versucht das zu erforschen. Zum Beispiel Johannes Kepler, ein berühmter Astronom. Zu der Zeit, als Jesus geboren wurde, sollen die beiden Planeten Jupiter und Saturn ganz dicht beieinander gestanden haben. Das konnte man anhand verschiedener Daten errechnen. Für die Sterndeuter aus dem Orient war klar, dass es ein besonderes Ereignis auf der Erde gegeben haben musste. Jupiter stand für einen König und Saturn hatte nach damaligem Verständnis etwas mit dem Volk Israel zu tun. Also lautete ihre Schlussfolgerung, dass in  Israel ein König geboren wurde. Die Forschung kann allerdings nicht sagen, ob es tatsächlich so gewesen ist. Dass es diesen Stern von Bethlehem wirklich gegeben hat, wäre möglich, ist aber nicht sicher.

 

 

13. Dezember

Lucia-Tag

 

Heute Nachmittag wird es in Erfurt einen Lichterumzug durch die weihnachtlich geschmückte Innenstadt geben. Zum ersten Mal. Die Idee dazu hatte ein Erfurter Hotelchef, der viele Jahre in Schweden gelebt hatte. Dort wird der Santa-Lucia-Tag nämlich immer ganz besonders gefeiert. Seit etwa 230 Jahren gibt es dort den Brauch, dass die älteste Tochter am 13. Dezember in einem weißen Gewand und mit einem Lichterkranz auf dem Kopf alle Familienmitglieder weckt. Sie bringt ihnen das Frühstück und wünscht ihnen Glück und Segen. Die heilige Lucia ist aber nicht nur in Schweden sehr bekannt. Auch in Italien wird sie hoch verehrt. Lucia lebte vor ungefähr 1700 Jahren in Sizilien, in der Stadt Syrakus. Sie wurde getötet, weil sie eine Christin war. Ihr Name bedeutet soviel wie „die Leuchtende“ oder „die Lichtvolle“. Der Name Lucia ist abgeleitet vom lateinischen Wort „lux“ und das heißt Licht. Der 13. Dezember war viele Jahrhunderte der kürzeste Tag. D.h. er hatte auch die längste Nacht des Jahres. Die heilige Lucia wird als ein Mädchen verehrt, das durch sein christliches Leben Licht in die dunkle Welt brachte. Viele Legenden, die über sie erzählt werden, handeln auch von Feuer und Licht. Im Jahr 1582 wurde von Papst Gregor XII. der Kalender geändert. Von da an ist der 21. Dezember der kürzeste Tag mit der längsten Nacht.

 

 

15. Dezember

Bescherung

 

In zehn Tagen ist Heiligabend. Dann gibt es die Geschenke. Wer jetzt noch nicht weiß, was er jemandem schenken möchte, muss sich ein bisschen beeilen. Sonst gibt es keine Weihnachtsbescherung. Wieso heißt es eigentlich „Bescherung“ und nicht „Beschenkung“?

„Bescherung“ oder „bescheren“ gibt es nur im deutschen Sprachgebrauch. Manchmal wird es dieses Wort benutzt, um auszudrücken, dass einem etwas gar nicht gefällt. Zum Beispiel wenn das Essen angebrannt ist. Dann ruft die Mutter vielleicht aus: „Das ist ja eine schöne Bescherung!“ Dabei meint sie aber, dass etwas sehr Unerfreuliches passiert ist.

An Weihnachten Geschenke beschert zu bekommen ist dagegen etwas sehr Schönes. „Bescherung“ ist abgeleitet von dem mittelhochdeutschen Wort „beschern“. Und das bedeutete soviel wie „zuteilen“ oder „verhängen“. Man verwendete diesen Begriff meistens in Verbindung mit Gott oder Schicksal. Nach damaligem Verständnis teilte das „Christkind“ den Kindern die Geschenke zu. Es bescherte also die Kinder. Früher war die Bescherung erst nach der Christmette. Das ist ein Weihnachtsgottesdienst, der in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember gefeiert wird. Weil das für die Kinder zu spät war, wurde im Laufe der Jahre die Bescherung auf den frühen Abend des 24. Dezembers verlegt. In einigen Ländern aber wird erst am nächsten Morgen, also am 25. Dezember beschert.

 

 

17. Dezember 

Christstollen

 

Die Geschichte des Stollens beginnt vor ungefähr 680 Jahren. Im Jahr 1329 wird er erste Mal urkundlich erwähnt. In diesem Jahr hatte nämlich der Bischof von Naumburg den Naumburger Bäckern das Sonderrecht erteilt, Stollen zu backen. Dafür sollten er und später seine Nachfolger  jedes Jahr zu Weihnachten zwei Stück erhalten. Allerdings waren die Stollen in dieser Zeit längst nicht so wohlschmeckend. Damals durfte in der Fastenzeit, und die Adventszeit zählte als Fastenzeit, nicht alles gegessen werden.  Dazu gehörten unter anderem auch Butter und Milch. Der Stollen bestand deshalb aus Wasser, Hafer und Rüböl. Ungefähr 100 Jahre später wandten sich der Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Herzog Albrecht an den Papst. Sie baten Papst Nikolaus V., das Butterverbot aufzuheben. Allerdings dauerte es noch gute 60 Jahre, bis ein anderer Papst, nämlich Papst Innozenz VIII., es erlaubte, den Stollen statt mit Öl mit Butter zu backen. Mit der Zeit kamen in den Stollen immer feinere Zutaten hinein. In Dresden wurde er ab 1500  unter dem Namen „Christbrod uff Weihnachten“ verkauft. Aber es gibt noch viel mehr Bezeichnungen für ihn, zum Beispiel Striezel, Schittchen oder Christstollen. Die Form soll an das kleine Jesuskind erinnern, das in Windeln – verdeutlicht durch den weißen Puderzucker – fest eingewickelt ist.

 

 

18. Dezember

Geschenke

 

Weihnachten ohne Geschenke ist undenkbar. Das war einmal anders. Früher schenkte man nur den Armen etwas. Das waren Dinge, die sie unbedingt zum Leben brauchten, und damit sie mitfeiern konnten, etwas zum Essen und Trinken. Diese Weihnachtsgaben wurden mit dem Brauch des „Christkindl einläuten“ eingesammelt. In einigen katholischen Gegenden gibt es heute noch diesen Brauch. Dort läuten jedes Jahr am 17. Dezember um 15.00 Uhr alle Glocken und erinnern daran, auch an die Alten und Kranken zu denken. Seit der Reformation, also seit etwa 500 Jahren bekommen auch Kinder etwas an Weihnachten. Wer Dienstboten hatte, war verpflichtet ihnen eine Kleinigkeit zu schenken. Dass Erwachsene sich gegenseitig beschenken entstand erst als Weihnachten mehr zu einem Familienfest wurde. Die Geschenke sollten die Freude vermitteln, die mit dem Sinn von Weihnachten verbunden war. In den letzten Jahrhunderten wandelten sich auch die Geschenke. Ursprünglich bestanden sie aus Gebäck, Äpfeln, Nüssen und wirklich kleinen Dingen. Doch nach wie vor sollen sie dem Beschenkten Freude bringen.

 

 

19. Dezember

Weihnachtsbaum

 

In allen Kulturen und Religionen ist der Baum ein Symbol, das heißt ein Zeichen, für das Leben. Oft glaubte man sogar, dass in den Bäumen Götter wohnen. Das Grün der Bäume steht für die Lebenskraft und die Hoffnung und sollte zum Beispiel böse Dämonen verscheuchen. Im Mittelalter waren die Häuser und die Kirche vom Advent bis zum 2. Februar mit immergrünen Zweigen und Girlanden geschmückt. Damit wollte man ausdrücken, dass mit der Geburt Jesus Christus für die Menschen eine neue Hoffnung in die dunkle und kalte Welt gekommen ist. In der Kirche stand ein immergrüner Baum als „Paradiesbaum“ beim Krippenspiel. Dort wurde nämlich zuerst die biblische Geschichte von Adam und Eva vorgespielt. Vor etwa 400 Jahren taucht der Baum dann außerhalb der Kirche auf. Er war behängt mit vielen Leckereien und Papierblumen. Er diente als Gabenbaum oder Bescherbaum. Jedoch hatte er noch keine Kerzen. Es waren auch nicht nur Tannen oder Fichten, sondern auch Eiben, Buchsbaum oder Ilex wurden als Christbaum genutzt. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes sorgte mit dafür, dass es den Christ- oder Weihnachtsbaum bald überall gab. So schrieb 1851 eine Berliner Zeitung, dass die Weihnachtsbäume aus Thüringen und dem Harz eingetroffen sind.

Was es mit dem Weihnachtsbaumschmuck auf sich hat, steht morgen auf der Klar-Seite.

 

 

20. Dezember

Weihnachtsbaumschmuck

 

Morgen, am vierten Advent, wird die letzte Kerze am Kranz entzündet. Jetzt leuchtet es schon sehr viel mehr als am ersten Adventssonntag. Noch heller wird es, wenn der Weihnachtsbaum in vollem Lichterglanz erstrahlt. Dass er mit Kerzen bestückt wurde, liegt etwa 350 Jahre her. In den folgenden Jahrhunderten setzte sich dieser Brauch durch, doch anfänglich konnten ihn sich nur die wohlhabenden Leute leisten. Die Kerzen am Baum  verdeutlichen, dass mit Gottes Sohn das Licht in die Welt gekommen ist. Eine andere Bedeutung haben die Kugeln. Ihr Vorbild sind die Äpfel, die früher am „Paradiesbaum“ in der Kirche hingen. Die Bibel erzählt, dass Adam und Eva im Paradies lebten. Von einem bestimmten Baum war es ihnen von Gott verboten, die Früchte zu essen. Als sie es doch taten, mussten sie das Paradies verlassen. Im Mittelalter glaubten die Menschen, dass diese Früchte Äpfel waren. Weil Apfel und Übel, also etwas Schlechtes, in lateinischer Sprache ähnlich lauten. Das Rot der Äpfel  versinnbildlicht das Blut Jesu, der als Erwachsener für die Menschen gestorben ist.   Im Laufe der Zeit wurde der Paradiesbaum immer festlicher geschmückt. Die Nüsse wurden vergoldet und die Äpfel in Gold- oder Silberpapier gewickelt. Bis heute sind viele Dinge als Baumschmuck hinzugekommen. Die meisten haben jedoch nichts mehr mit dem christlichen Sinn des Weihnachtsfestes zu tun.

 

 

22. Dezember

Weihnachtskrippe

 

In manchen Familien, besonders natürlich in den christlichen Familien, steht beim Weihnachtsbaum auch eine Krippe. Auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt zum Beispiel steht auch eine, allerdings eine sehr große. Das Wichtigste ist das Jesuskind, das in einer Futterkrippe liegt. Wenn Jesus in einer Krippe liegt, so glaubten damals viele Menschen, dann muss er in einem Stall geboren sein. Denn Futterkrippen findet man meistens in Ställen.  Andere glaubten, dass Gottes Sohn in einer Höhle geboren wurde. Höhlen waren im Heiligen Land ein Ort, der bei schlechtem Wetter von Hirten mit ihren Herden aufgesucht wurde. Bei den heutigen Krippendarstellungen findet man beides: entweder einen Stall oder eine Höhle. Neben der Krippe sind dann Maria, das ist die Mutter Jesu, zu sehen und Josef, der Jesus mit aufzog. Mit dabei stehen auch ein Ochse und ein Esel, obwohl von ihnen in der Bibel gar keine Rede ist. Sie stehen für alle Lebewesen, die nicht wie wir Menschen denken können. Dann sind auch noch Hirten mit einigen Schafen dargestellt, die gekommen sind, um das neugeborene Kind anzubeten. Ebenso die drei weisen Männer aus dem Orient, die so genannten Heiligen Drei Könige. Deshalb ist oft an der Krippe auch noch ein Stern angebracht.

Die Weihnachtskrippe ist also eine figürliche Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte.

 

 

23. Dezember

Das Friedenslicht aus Bethlehem

 

Heute, einen Tag vor Heiligabend, sind ungefähr 110 Boten in ganz Thüringen mit der Eisenbahn unterwegs. Sie helfen mit, das Friedenslicht aus Bethlehem an 255 Bahnstationen in unserem Freistaat zu verteilen. Vor 22 Jahren kam ein österreichischer Radiosender auf die Idee, jedes Jahr vor Weihnachten nach Bethlehem zu fahren und von dort ein Licht mitzubringen. Es wird an der Stelle entzündet, wo Jesus geboren worden sein soll. Vor über 1600 ließ Kaiser Konstantin an diesem Ort eine Kirche erbauen. Weil sie während eines Aufstandes stark beschädigt wurde, wurde sie abgerissen. Kaiser Justinian I. ließ Anfang des 6. Jahrhunderts, ungefähr 180 Jahre nach dem ersten Bau, eine etwas größere Kirche errichten – das ist die heutige Geburtskirche. Nach Thüringen wird das Friedenslicht seit 1990 gebracht. Frieden wünschen sich alle Menschen. Das Friedenslicht kann ihn aber nicht einfach herbeizaubern. Jeder Mensch ist aufgerufen, etwas für den Frieden zu tun. So wie das Friedenslicht von vielen Menschen in 25 europäische Länder weitergetragen wird, so soll auch der Friede weitergetragen werden. Damit das Friedenslicht nicht erlischt, muss es behütet werden, zum Beispiel mit einer sturmsicheren Laterne. Genauso ist es mit dem Frieden. Auch er muss behütet werden, denn jeder weiß wie schnell ein Streit ihn zerstören kann.

 

Wann und an welchen Orten heute das Friedenslicht aus Bethlehem ankommt, steht auf der Seite: www.orf-friedenslicht-thueringen.de

 

 

24. Dezember

Heilige Nacht

 

Heute ist endlich Heiligabend. Die Bibel erzählt, was sich in der heiligen Nacht zugetragen hat.

„In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit der Geburt, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: ‚Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.’ Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe, und Frieden auf Erden bei den Menschen.“

 

Verfasser: Andrea Wilke - Bistum Erfurt

Bildquelle: Pixabay


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